Anhaltende Herausforderungen

Die einbrechende Konjunktur lässt Reedereien ihre Linienverkehre ausdünnen. Einzelne Konzerne müssen bereits durch den Staat unterstützt werden. Für den Sommer sind bereits Preiserhöhungen angekündigt.

Der globale wirtschaftliche Abschwung zeigt sich exemplarisch im Seeverkehr. Große Reede-reien wie OOCL, APL oder CMA-CGM streichen weiterhin ihre Liniendienste zusammen, insbe-sondere auf den Transpazifik- und Nordatlantik-Routen. Aber auch Feeder-Verkehre, etwa nach Nordeuropa, Spanien und Italien, werden ausgedünnt oder entfallen gänzlich. Auf ein-zelnen Routen stehen nur noch 70 Prozent der zuvor angebotenen Kapazität bereit. Die Fol-ge: auch im Mai steigende Raten an den Spotmärkten.

Die Preissteigerungen werden kein kurzfristiges Phänomen sein. Große Spieler wie Maersk, Hapag-Lloyd und CMA-CGM haben bereits Preiserhöhungen für die Hochsaison angekündigt – trotz der gesunkenen Industrieproduktion weltweit, des nachlassenden Konsums und der gesunkenen Ölpreise. Die Folgen der Corona-Krise, davon sind Ökonomen inzwischen über-zeugt, werden länger spürbar sein, als anfänglich gehofft.

Milliardenhilfe für angeschlagene Reedereien

Der finanzielle Spielraum der Reedereien schrumpft dabei erkennbar. Zwar hatte Marktführer Maersk erst Mitte Mai für das erste Quartal noch solide Zahlen verkündet, sieht aber für das zweite Quartal schwarz: Die Dänen rechnen mit einem Rückgang des Frachtvolumens von einem Viertel. Wettbewerber wie CMA-CGM oder Yang Ming greifen bereits auf milliarden-schwere staatliche Stützungskredite zurück, Hapag-Lloyd will bislang mit einem Sparpro-gramm über die Runden kommen. Eine Neustrukturierung der Linienverkehre und eine Kon-solidierung der Anbieter erscheinen damit wahrscheinlicher.

Positiv bleibt: Die Häfen sind mit wenigen Ausnahmen weltweit funktionsfähig. Selbst in schwer von Corona betroffenen Ländern wie Spanien und Italien ist der Umschlag sicherge-stellt. Nennenswerte Schwierigkeiten gibt es derzeit in Indien, Südafrika und Malaysia. Aller-dings verbessert sich auch dort die Lage schrittweise. Ob die in brasilianischen Häfen aufge-tretenen Covid-19-Erkrankungen zu Serviceeinschnitten führen werden, ist derzeit noch un-klar.

Das Problem der global nicht bedarfsgerecht verteilten Leercontainer ist inzwischen kleiner geworden. Engpässe und höhere Preise zeigen sich nur weit abseits der großen wirtschaftli-chen Zentren, wenn Container weite Strecken über Land transportiert werden müssen. Eine verlässliche Abschätzung der eigenen Transportmenge wird dabei von den Reedern hono-riert.

Latest Developments Ocean

Stand: 15. Mai 2020

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