Corona steckt die Wirtschaft an

Konjunkturelle Rahmenbedingungen

Fast alle Wirtschaftsforscher gehen inzwischen für 2020 von einem deutlich rückläufigen Bruttoinlandsprodukt in Deutschland und den anderen großen EU-Staaten aus. Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass auch die Weltwirtschaft mindestens im gleichen Maße schrumpft wie in der Finanzkrise 2009 (Quelle).

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel sagte in seinem jüngsten Ausblick für das Gesamtjahr ein Minus von 4,5 bis 9,0 Prozent für Deutschland voraus, sofern sich die Lage im zweiten Halbjahr wieder normalisiert. Das Ifo-Institut in München warnte sogar, die Konjunktur könne im ungünstigsten Fall um fast 21 Prozent einbrechen. In ihren Frühjahrsprognosen waren noch von einem Stillstand ausgegangen. Allein im März dürfte das BIP um 18 Prozent einbrechen. Betroffen seien Export und Binnenkonjunktur gleichermaßen. Für das kommende Jahr rechnen beide Institute aber mit einer deutlichen Belebung. Dann dürfte das Bruttoinlandsprodukt auch aufgrund von Nachholeffekten um 7 bis 10 Prozent zulegen (Quelle).

Die EU-Kommission rechnet für das laufende Jahr inzwischen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung, der dem Krisenjahr 2009 vergleichbar ist. Damals war die Wirtschaft um 4,3 Prozent geschrumpft. Um rasche Maßnahmen zu ermöglichen, Wirtschaft und Unternehmen zu stützen, hat die EU vorrübergehend den Stabilitätspakt aufgehoben.

In den USA haben sich Regierung und Repräsentantenhaus auf ein Hilfspaket für Bürger und Unternehmen im Umfang von 2 Billionen US-Dollar geeinigt. Es ist das größte Hilfsprogramm in der US-Geschichte. Vor allem kleinere Unternehmen sollen durch Kredite gestützt und Städte vor dem Kollaps bewahrt werden (Quelle).

Länder / Regionen

Die Zahl der Neuinfektionen in China ist praktisch zum Stillstand gekommen. Wie wird sich die Produktion kurzfristig entwickeln?

Die Produktion in China fährt bereits wieder hoch und erreicht derzeit etwa 90 Prozent des Vor-Krisen-Niveaus. Ob ein weiterer Anstieg in den kommenden Wochen erfolgt, hängt weniger von der gesundheitlichen Situation in China ab, sondern von der Entwicklung der Nachfrage aus Europa und Nordamerika.

Wie sieht die Situation in anderen Staaten Südostasiens aus?

Die wichtigen Industriestandorte und Handelspartner Taiwan und Südkorea sind zwar unterschiedlich stark betroffen, haben aber beide die Corona-Krise im Griff. Sie profitieren von frühzeitigen, konsequenten Maßnahmen zur Gefahrenabwehr. Während Taiwan vergleichsweise wenige Corona-Infizierte im Verhältnis zur Einwohnerzahl (insgesamt 169) meldet, sinkt in Südkorea die Zahl der Neuinfektionen seit Ende Februar wieder deutlich und liegt Ende März bereits unter 75 Neuinfektionen pro Tag (in Spitzenzeiten mehr als 800). Alle anderen Staaten der Region melden derzeit jeweils noch weniger als 500 Gesamtinfizierte(Quelle).

Worauf müssen sich Spediteure in Europa einstellen?

Europa hat sich zum globalen Hotspot der Pandemie entwickelt. Italien und Spanien sind besonders betroffen. Fast alle Länder haben bereits umfassende Ausgangssperren verhängt. Eine Vielzahl von ihnen, auch in Osteuropa, schließt inzwischen seine Grenzen, selbst wenn der Warenverkehr noch möglich ist. Dennoch ist fest mit Beeinträchtigungen für Speditionen zu rechnen. Details dazu im Abschnitt „Landtransport“.

Worauf steuern die USA zu?

Nach Europa dürften die USA der nächste Corona-Hotspot werden. Die Fallzahlen steigen inzwischen exponenziell. Der Luftverkehr zwischen Europa und den USA ist seit Tagen bereits eingeschränkt. Wir rechnen daher mit ähnlichen Maßnahmen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens wie in Europa, zumindest in den urbanen Zentren. Kalifornien und die Stadt New York haben hierzu bereits erste Schritte unternommen.

Weitere Informationen über die Folgen des Coronavirus auf die aktuelle Transportlogistik finden Sie hier.