Die Zukunft gehört der Digitalisierung - auch in der Logistik

Woman holding a tablet in a warehouse

„Alles was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden“, diese Aussage der ehemaligen Hewlett Packard-Vorstandsvorsitzenden, Carly Fiorina, ist so etwas wie das Menetekel über ganzen Branchen – auch der Logistik – geworden. Ein Menetekel ist ja ein Mahnruf oder, schärfer noch, eine unheilverkündende Warnung. Und in der Tat, Unheil könnte denjenigen drohen, die die Entwicklungen zu spät aufnehmen und umsetzen. Sie werden vom Markt verschwinden.

Rasante Entwicklungen

Andererseits liegen in der Digitalisierung auch für die Logistik große Chancen. Zugegeben: Die Umwälzungen sind so umfassend und auch so komplex, dass die genauen Ausprägungen schwer vorhersagbar sind. Doch die Aufgabe für Speditionen, Logistikdienstleister und alle Service-Provider der Branche ist, die Veränderungen in ihrem Bereich zügig und konsequent zu gestalten. So sichern sie sich rechtzeitig Wettbewerbsvorteile.

Man sollte sich auch nicht über die Geschwindigkeit täuschen, mit der diese Veränderungen vor sich gehen. Die IT-Branche ist extrem kurzlebig. Die Innovationen überschlagen sich. Netzausbau, Leistungsfähigkeit der Rechner und Softwareentwicklung potenzieren sich. Sie ermöglichen Lösungen, die bis vor kurzem als Science Fiction galten. Informationsverfügbarkeit im World Wide Web, satellitengestützte Fahrzeugnavigation, Smartphone, Big Data, Selbstlernende Systeme, Autonomes Fahren: noch vor zwanzig Jahren unfassbar weit weg und doch heute Realität.

Digitalisierung der Logistik schafft neue Geschäftsmodelle

Die Industrie ist der Logistik bei der Digitalisierung um Einiges voraus. Bart de Muynck, Analyst bei Gartner, verantwortlich für den Marktbericht Magic Quadrant Transport Management Systeme, stellt fest: „Wenn ich mit den Supply-Chain-Verantwortlichen aus der Industrie spreche, so sehe ich einen sehr großen Bedarf an Real-Time-End-to-End-Visibility für die Supply Chain.“

Die Industrie denkt dabei bereits in größeren Dimensionen. Welche Auswirkungen werden die technischen Möglichkeiten auf die Art und Weise haben, wie wir heute Prozesse abwickeln? Welche neuen Geschäftsmodelle können entstehen? Dr. Wolfgang Bernhard, Vorstand Trucks & Buses bei der Daimler AG, sieht in der Vernetzung und dem Anschluss des Trucks an die Cloud völlig neue Geschäftsmöglichkeiten. Und zwar für alle an der Logistik Beteiligte, für Hersteller, Spediteure, Werkstätten oder auch Behörden: „Der Truck ist eine Daten-Goldmine und Echtzeit-Daten sind in der Logistik geschäftsentscheidend.“ Ein schönes Beispiel für neue Geschäftsmodelle ist die Entwicklung im 3-D-Druck. Hier entstehen völlig neue Marktchancen für Logistiker, etwa in der Ersatzteilversorgung als Bindeglied zwischen Hersteller und Anwender. UPS hat die ersten Stores in den USA bereits mit 3D-Druckern ausgestattet.

Dass die Verlader, das produzierende Gewerbe oder der Handel in der Digitalisierung vorangehen und die Speditionen und Logistikdienstleister folgen, liegt zu einem gewissen Grad in der Natur der Sache. Industrie und Handel sind die Auftraggeber. Sie bestimmen die Prozesse. Sie setzen die Rahmenbedingungen durch ihre Strukturen. Der Transporteur im Teil- oder Komplettladungssegment, über das ich hier spreche – der Stückgut- und KEP-Markt ist aufgrund der geschlossenen Netzwerke in der Digitalisierung ja bereits viel weiter – hat viele verschiedene Beteiligte, Kunden, eigene Flotte und Subunternehmer. Diese Unübersichtlichkeit ist einerseits ein Handicap. Andererseits liegt gerade darin ein immenses Optimierungspotenzial und konkret bares Geld.

Optimierung durch Kollaboration

Hätte der Spediteur die Daten einer durchgängig digitalisierten Flotte (nicht nur für  seine eigenen Fahrzeuge, sondern auch für alle seine Subunternehmer und Charterverkehre) zur Verfügung und wäre er in der Lage, die Daten auszuwerten, könnte er seine Ertrags- und Wettbewerbsposition drastisch verbessern. Leerfahrten könnten vermieden werden, Fahrzeugrepositionierungen ebenfalls, der Service am Kunden wäre flexibler und effizienter zu leisten.

Dazu ist Kollaboration erforderlich. Die Optimierung findet zwischen den Unternehmen – im Prozess – statt. Industrie, Handel und Dienstleister müssen dafür an einem Strang ziehen. Sie müssen bereit sein, Daten zu teilen und Transparenz herzustellen. Technisch ist heute bereits fast alles möglich, Transport Management mit End-to-End-Visibility, Zeitfenstermanagement mit Echtzeitfahrzeugsteuerung, Yard Management, digitaler Abliefernachweis, Abrechnung, Schadensdokumentation, Paletten-Handling, automatisierte Auftragsvergabe und, und, und...

Hier im T-Blog werden wir immer wieder auf die Möglichkeiten hinweisen, die wir bereits haben und die wir in Zukunft entwickeln werden. Als Dienstleister der Branche konzentrieren wir uns dabei auf die Bereiche, in denen am meisten Rationalisierungs- und Effizienzsteigerungspotenzial besteht. Und das ist die Kommunikation zwischen Verlader und Spedition, das sind Leerfahrten, Standzeiten und Logistikkosten allgemein.

In der täglichen Praxis sehe ich, dass auch auf Speditionsseite vielfach das Umdenken bereits eingesetzt hat. Und der Erfolg spricht für sich: Wer als Verlader etwa durch Zeitfenstermanagement schnellere Durchlaufzeiten bei der Anlieferung erzielt, für den amortisiert sich das Projekt meist bereits nach wenigen Wochen. Für die beteiligten Spediteure rechnet es sich durch die bessere Planbarkeit und verringert Durchlaufzeit von Beginn an. Seine Investitionskosten in die Hardware wie Smartphones bzw. Handhelds, die Systemimplementierung und Schulungen sind schnell wieder hereingeholt.

Etwas flapsig möchte ich mein heutiges Statement im T-Blog zusammenfassen: Die Zukunft gehört der Cloud. Wer das beherzigt, der hat eine himmlische Zukunft vor sich!